Donnerstag, 16. August 2007

Neuer ORF?

Der ORF hat im Rahmen der Digitalisierung erheblich an Marktanteil eingebüßt, heißt es. So stiegen, dort wo analoge ORF-Sender abgeschaltet worden waren, ehemals treue ORF Konsumenten auf digitalen Satellitenempfang um, und kehrten, im Zuge dessen, der neuen Programmvielfalt des ORF den Rücken.

Nun ja, es mag wohl stimmen, dass sich die Digitalisierung des ORF Programms negativ auf die aktive Konsumentenzahl ausgewirkt hat; jedoch wage ich es zu bezweifeln, dass dies der alleinige Grund für die Ablehnung des ORF Programmangebotes darstellt.

Gibt man sich denn, ganz bewusst, der, mehr oder weniger, neuen Programmvielfalt des ORF hin und widmet sich Sendeformaten wie der Österreich-Sitcom „Mitten im Achten“ oder den inhaltlich nicht genau zuordbaren News-Sendungen, so tut sich doch die Frage auf, ob diese Reform denn ganz unschuldig an der offensichtlich starken Ablehnung des angebotenen TV Spektrums des ORF ist.

Man scheint ein wenig vergessen zu haben, wie es um den Programmauftrag, beziehungsweise das Bildungsbewusstsein eines öffentlich-rechtlichen Senders bestellt ist, berücksichtigt man, unter anderem, die Tatsache, dass man bei der Programmgestaltung im ORF anscheinend stets sehr bemüht ist das Quantum an kultureller „Trash“- Vielfalt zu vergrößern, und simultan, gesellschaftlich und kulturell bedeutende Programminhalte auszugrenzen -beziehungsweise, möglichst unscheinbar, zu vergleichsweise wenig frequentierten Sendezeiten (vgl. Blog 2. August 07), auszustrahlen.

Betrachtet man nun diese jüngsten Entwicklungen, würde es Sinn machen, sich nicht lediglich auf die Digitalisierung des ORF auszureden, sondern die erwähnten Faktoren im Spektrum der gesamten ORF Organisation gemeinsam zu betrachten, um sich möglichen Umgestaltungsvorschlägen widmen zu können.
So sollte man die Ablehnung der Konsumenten des ORF Programmangebotes nicht alleinig als Reaktion auf die Digitalisierung sehen, sondern sich ernsthafte Gedanken um die inhaltliche und organisatorische Programmgestaltung des ORF machen.

Denn momentan scheint der Programmauftrag, beziehungsweise die gesellschaftliche Positionierung des ORF, als öffentlich-rechtlicher TV-Sender, nicht wirklich klar ersichtlich zu sein...

Dienstag, 14. August 2007

Die Frage nach dem Sommerloch

Schon lange nichts von uns gehört?
Tja, das liegt an diesem Phänomen... dem Sommerloch. Und weil nach intensiver Durchforstung der heutigen News-Seiten im World Wide Web wiedermal nichts auffindbar war, das dem Relations-Blog würdig genug wäre, möche ich heute über das Sommerloch schreiben.

Denn: Sogar dieser Beitrag wird unserer Strebung nach medien- und kommunikationsspezifischen Themen gerecht werden. Wieso? Weil das Sommerloch auch uns gehört! Es gehört den Medien...

Das Sommerloch wird explizit als solches ausgeschrieben: Phänomen in der Medienwelt, vor allem im Bereich der Tagespresse und der Nachrichtenagenturen. Dies ist - so eine uns bekannte Einrichtung im Netz, bei der jedermann und jedefrau einen eigenen Wissensbeitrag leisten kann, wo auch immer er/sie was zu sagen hat - besonders dadurch bedingt, dass sämtliche politische Institutionen (seien das Personen oder Einrichtungen) in den paar vermeintlich heißesten Monaten des Jahres auf Sommerfrische fahren und ein Päuschen einlegen.

Dadurch gibt es natürlich wenig bis gar nichts zu berichten.
In der Zwischenzeit scheint es jedoch so zu sein, dass das Sommerloch schon aus Prinzip auftritt und sich auf alle erdenklichen und berichtenswerten Bereiche ausdehnt.

Nun, was tut ein berichtender Mensch jetzt, wenn die nachrichtenarmen Monate wieder Einzug ins Land finden?
Ganz klar! Das, was auffindbar ist und aus dem letzten Ärmel geschüttelt werden kann, wird hergenommen und zu DER Schlagzeile gemacht. Unnötige Details, nicht nennenswerte Kleinigkeiten und skurrile Neuigkeiten sind in dieser Zeit wichtiger als zu jedem anderen Zeitpunkt im Jahr!
Klar, denn auch im Juli und August möchte man schließlich die Zeitung aufblättern und was zu lesen haben, statt 80 Cent für unbeschriebene Seiten zu bezahlen.

Solange es also den Sommer gibt, wird es auch das Sommerloch geben!
Ach, übrigens: Wussten Sie schon, dass irgendwo in Süd-Dschibuti heute jemand verschlafen hat?

Donnerstag, 9. August 2007

Online Werbung überholt Printbereich

Laut einer amerikanischen Studie wird das rasante Wachstum von Online Werbung bis zum Jahre 2011 den Bereich Printwerbung überholt haben.

An und für sich ein wohl nachvollziehbares Sezenario... liest man doch den Großteil diverser Fachzeitschriften bereits im Internet, beziehungsweise schlägt mangelhaftes Wissen durch einen kurzen Click eher im Netz nach, als dass man sich mühsamerweise das Fachwissen aus dem gedruckten Wort sucht. Eigentlich sehr nachvollziehbar, und auch praktisch.

Und dieses Phänomen beschränkt sich keinesfalls auf die Teenager bis Jungerwachsenen Generation. Auch Menschen im fortgeschrittenen Stadium ihres Erdendaseins, vortrefflich nicht mehr im Büro anzutreffen, hegen immer mehr Interesse an der Funktionstüchtigkeit und Nutzenkraft des Internets. So geschieht es nicht selten, dass Kochrezepte kurzerhand per Mausklick ausgeforscht werden oder Online-Bingo ganz neue Dimensionen eröffnet.

Im Hinblick darauf stellt sich doch verständlicherweise eher die Frage inwieweit man in zehn Jahren noch zwischen klassischer Werbung und dem Internet-Segment unterscheiden wird können. Aufgrund von weitgehender Digitalisierung und crossmedialen Geschäftsmodellen könnte diese Trennung daher über kurz oder lang hinfällig werden.

Außerdem bleibt uns immer noch das gute, alte Fernsehen. Denn laut dieser amerikanischen Studie wird uns diese Art der Werbung in absehbarer Zeit nicht abhanden kommen und in gewohnter Dosis auch in Zukunft auf uns einwirken.

Dienstag, 7. August 2007

Umstrittenes PR-Konzept für den Wiener Prater

Fast wäre dieser skandalträchtige Beitrag zu einem angeblichen neuen PR-Konzept des Wiener Praterverbandes für denselbigen an mir vorübergezogen.

Hat doch dieser angeblich ein geheimes Dokument erstellen lassen, in dem festgehalten wird, wie die auf politischer Ebene für den Prater Verantwortliche und Wiens Vize-Bürgermeisterin Grete Laska (SPÖ) quasi aus ihrem Amt und Zuständigkeitsbereich "Wiener Prater" eliminiert werden soll. Erstellt wurde dieses Konzept angeblich von der PR- und Lobbyingagentur Pléon Publico.

Doch an dieser Stelle soll die politische Debatte rund um diese Thematik in keinster Weise ausgeführt werden, dies hier soll schließlich keine politikträchtige Diskussion werden. Vielmehr ist für unsereins der Public Relations-Aspekt an solch einer Sache von Interesse.

Ein aus solcherlei Angaben bestehendes PR-Konzept kann und wird natürlich nie den ethischen Richtlinien entsprechen, womit wir bei einem zu jeder Zeit sehr brisanten Thema angelangt sind: Erneut kratzt ein österreichisches Vor-/Vergehen auf der Ebene der Öffentlichkeitsarbeit am schon vor langer Zeit festgehaltenen Athener Kodex. Dieser Kodex beinhaltet Ethik-Richtlinien, die einem öffentlichkeitsarbeitenden Praktiker vorgeben, was im Bereich der Moral als absolutes "Do Not" gilt.

Nun wage ich - aufgrund kürzlich zurückliegender, sehr intensiver Beschäftigung mit dem Thema PR-Ethik - es wahrlich zu bezweifeln, ob dieser Athener Kodex nun wirklich noch sehr aktuell und zeitgemäß ist, ob er nicht durchaus überarbeitenswert, wenn nicht sogar komplett austauschbar ist. Aber dennoch - und daran lässt sich nichts rütteln, nichts biegen und schon gar nichts fehlinterpretieren - beinhaltet er das im Grunde der menschlichen Moral verankerte Verständnis dafür, was einfach nicht "geht" ... und mit Sicherheit ist das planmäßig Stürzen einer in einem politischen Amt Engagierten ein solches "Do Not".

So sieht es auch Martin Bredl, Präsident des an dieser Stelle bereits vorgestellten PRVA (Public Relations Verband Austria), der mit seinem gestern im Horizont erschienenen Kommentar erneut die Debatte rund um den Athener Kodex aufwirft.

Ich bleibe dabei festzuhalten, dass ethische Richtlinien ein unabdingbares Muss sind, aber solange es sich um theoretisch (!) festgehaltene Maßstäbe handelt, die in der Praxis kaum wiederzufinden sind, sollte man sich vielleicht über die Haltbarkeit dieser Gedanken machen. Und damit plädiere ich keineswegs auf eine Verwerfung des Kodex - ganz im Gegenteil: Eine Überarbeitung und vor allem - und hier komme ich endlich zum Punkt meines Eintrages - ein insistenter Appell an alle PR-Praktiker an die Umsetzung sämtlicher Richtlinien in jeglicher Hinsicht und bei Nichteinhaltung dieser die Durchführung strenger Sanktionsmaßnahmen... DAS muss her! Und zwar so schnell wie möglich, bevor weitere Aktionen á la Eurofighter und Wiener Prater den ohnedies bereits extrem geschädigten Ruf der Public Relations in Österreich noch mehr in den Dreck ziehen...

Montag, 6. August 2007

Medienmesse 2007

Auch dieses Jahr geht wieder die alljährliche Medienmesse im Messezentrum Wien über die Bühne. Im Zeitraum vom 26. bis 28. September 2007 stellen Unternehmen aus 15 Branchen aktuelle Trends und Produkte aus den Bereichen Marketing, Werbung, Medien und Kommunikation vor.
Hierbei handelt es sich nicht nur um ein potentielles Handshake und Kontakteknüpfen von und mit Fachleuten, sondern um eine Möglichkeit den eigenen Horizont auf der Ebene der Kommunikation zu erweitern. Gerade in einem Bereich, der ständig in Bewegung ist, wird es unerlässlich am Stand der Dinge zu bleiben.

Alljährlich erscheinen Tausende von Besuchern (im Jahre 2006 waren es 4.600) zu dieser Messe, überwiegend handelt es sich dabei um Personen vom Fach, für die der Eintritt kostenlos ist.

Im Zuge der Medienmesse finden weiters die österreichischen Medientage statt, die mit Vorträgen zum Thema und der Möglichkeit zur Interaktion mit Fachleuten bestückt sind.

Für alle, denen die Option eines Besuchs geboten ist, kann man daher nur empfehlen: Hingehen, ansehen, Horizont erweitern!

Donnerstag, 2. August 2007

Kulturverständnis des ORF?

In den letzten Tagen waren die Kulturnachrichten durch erhebliche Verluste gekennzeichnet.
Das Dahinscheiden von Ingmar Bergman, einer der größten Regisseure aller Zeiten, Michelangelo Antonioni, der mit „Blow Up“ zweifellos in die Filmgeschichte einging, sowie der Tod einer der höchstdotierten Theater- und Fernsehschauspieler im deutschen Sprachraum, Ulrich Mühe, bedeuten einen tragischen Verlust für die Film und Theaterwelt und unsere Kulturgesellschaft.

Auch der ORF sieht das auf diese Weise und beschließt kurzerhand ein Hörspiel mit Ingmar Bergman und das hoch dotierte Meisterwerk Michelangelos in sein Programm aufzunehmen. Die Sendezeiten wurden, fraglos konsumentenfreundlich, gewählt: zwischen Mitternacht und Morgengrauen, wochentags versteht sich von selbst.
Auch an Ulrich Mühle wird, spät nachts natürlich, mit „Funny Games“ erinnert.
Dahingegen muss man auf den französischen Schauspieler Michel Serrault leider verzichten- Obgleich seine Werke nicht minder Beachtung verdienten.

Aber, ganz im Verständnis für den ORF, muss man zugeben, dass man nicht Alles berücksichtigen kann. Immerhin ist es schwierig in der gegebenen Fülle an Qualitätssendungen und gesellschaftlich unverzichtbaren Beiträgen, wie Pilcher und Volksmusik, oder die hundertste Staffel von verschiedenen Sitcoms, noch eine Lücke für mögliche Gedenkbeiträge zu finden.
Und überhaupt, so kurzfristig, scheint es schier ein Akt der Nächstenliebe zu sein, die Werke überhaupt in die Programmgestaltung aufzunehmen.
Tja, der Tod ist nämlich nicht ganz so zeitlich planbar wie ein 60-jähriger Geburtstag einer „immerhin“ lebenden Ikone.

Nun ja, so sind wir doch froh, dass uns der ORF es ermöglicht, mittels einer, ich würde mal sagen -sehr auf das Wesentliche beschränkten- Auswahl an Beiträgen, Anteil zu nehmen an dem Abschied von so bedeutenden und prägenden Mitgliedern unserer Gesellschaft, die sich durch ihr Lebenswerk diesen „würdigen“ Abschied verdient haben.

Leider wird es mir nur schwer möglich sein, diese wertvollen Beiträge gedenkend zu verfolgend, da mein Aufmerksamkeitsgrad wohl nicht bis frühmorgens reichen wird... außer meine Chefin drückt ein Auge zu; vielleicht möchte Sie sich ja selbst diesem großzügigen künstlerischen Angebot widmen und spätnachts etwas Kulturluft schnuppern... und schläfrig an Legenden der Film- und Theaterszene gedenken.

Mittwoch, 1. August 2007

ORF - so innovativ?!

Der ORF leistet derzeit richtig Innovatives in seiner Werbung hinsichtlich der vor Kurzem veröffentlichten Statistik: Unser hiesiger Öffentlich-Rechtlicher hat die eindeutige Marktführerschaft in Sachen Radio.

So zeigt das folgende Tortendiagramm Eindeutiges:


Doch um die stolzen 50,8% Reichweite der ORF-Radios - sie können sich dabei ruhigen Gewissens und mit unseren Steuern am Buckel auf die Schulter klopfen - soll es ja jetzt eigentlich nicht gehen, sondern vielmehr um die spritzig-witzige Werbung in Form eines Werbebanners (beispielsweise heute zu sehen auf der Horizontstartseite www.horizont.at):
In alter Karaokemanier hüpft ein roter Ball von Wort zu Wort, um das Lesen eines altbekannten Songtextes ("We are the Champions") zu vereinfachen. Doch was stimmt da nicht? Nun, einige Buchstaben fehlen. (Aufgrund gewisser Vorgänge in den Hirnwindungen ist es uns aber dennoch möglich, den Songtext als solchen auszumachen.)




Lange Zeit weiß der Rezipient nicht, worum es in dieser Werbung geht und fragt sich, weshalb da ein paar Buchstaben fehlen... so lange, bis der ORF die folgenden Worte einblendet und so erkennbar wird, welche Buchstaben da eigentlich fehlen: "Was wäre Erfolg ohne O und R und F?"



Sehr schlau, sehr schlau... durchaus witzig, auf jeden Fall innovativ, nahezu frech... das sind wir von unserem geliebten ORF ja gar nicht gewohnt!